BYD Seal Excellence AWD im Test: Schnell, schick – aber nicht perfekt
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Fahrbericht BYD Elektroauto

BYD Seal Excellence AWD im Test: Schnell, schick – aber nicht perfekt

Bruno Rivas
Bruno Rivas

Inhaltsverzeichnis

Nach zwei Wochen im Elektro-SUV BYD Sealion 7 stand direkt der nächste Kandidat von des chinesischen Unternehmens bereit: der BYD Seal in der Topversion Excellence AWD. Ein Wechsel, der spannender kaum sein könnte: vom Familien-SUV direkt zur sportlichen und schnittigen Elektro-Limousine. Doch kann der BYD Seal nicht nur optisch, sondern auch im Alltag und auf der Strasse überzeugen?

BYD ist seit letztem Jahr offiziell in der Schweiz vertreten. Neben dem Seal bietet der chinesische Hersteller hierzulande die vollelektrischen Modelle Sealion 7, Dolphin, Atto 2 und Atto 3 (Evo) an. Abgerundet wird das Portfolio durch die Hybridfahrzeuge Seal U DM-I, Seal 6 DM-I und Atto 2 DM-I. Zum Start stehen somit zahlreiche Fahrzeuge mit verschiedenen Antriebstechniken zur Auswahl.

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Exterieur

Der BYD Seal macht auf der Strasse eine gute Figur und zieht die Blicke auf sich. Während der zwei Wochen, in denen ich das Fahrzeug genutzt habe, wurde ich mehrmals darauf angesprochen, sei es beim Einkaufen oder an einer Ladesäule. Der Tenor war dabei durchweg positiv. Die sportliche Ausrichtung in Kombination mit einem Hauch Eleganz kommt offensichtlich ganz gut an.

Beim BYD Seal handelt es sich um eine 4,80 Meter lange E-Limousine der Mittelklasse. In diesem Segment muss sich BYD unter anderem gegen das Model 3 von Tesla oder den Polestar 2 durchsetzen. Verstecken muss sich der Seal allerdings ganz und gar nicht. Die langgezogene Silhouette, der kleine Heckspoiler und das markante LED-Leuchtband am Heck verleihen dem Fahrzeug eine selbstbewusste Präsenz.

Die Sitzposition ist deutlich tiefer als bei vielen anderen Elektroautos. Dies ist möglich, da BYD die 82,5-kWh-Batterie direkt in die Karosserie (Cell-to-Body-Technologie) integriert hat.

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Interieur

Wer zum ersten Mal im Seal Platz nimmt, wird ziemlich schnell das grosse, verglaste Panoramadach mit Wärmeschutzverglasung bemerken. Es lässt viel Licht in den Innenraum, doch im Gegensatz zum Sealion 7 verzichtet BYD beim Seal auf ein elektrisch verstellbares Sonnenrollo. Unter den eher winterlichen Bedingungen der letzten Wochen fiel das nicht wirklich negativ ins Gewicht, im Hochsommer könnte es sich jedoch anders aussehen.

Sowohl der Sealion 7 als auch der Seal überzeugen mit einem Innenraum aus hochwertigen Materialien. Die sichtbaren Oberflächen sind allesamt einwandfrei verarbeitet und vermitteln schon fast ein Premium-Feeling. Mit anderen Worten: Man fühlt sich einfach wohl im Seal. Dazu tragen auch die bequemen Sitze bei, die mit hochwertigem, veganem Leder bezogen sind. Die Vordersitze verfügen über eine Heiz- und Lüftungsfunktion. Eine Massagefunktion habe ich jedoch vermisst.

Die Sitze auf der Rückbank der Excellence-Variante sind mit einer Sitzheizung ausgestattet, jedoch nicht mit einer Kühlfunktion. Über USB-Anschlüsse können externe Geräte wie Smartphones oder Tablets auch auf den hinteren Plätzen aufgeladen werden. Im vorderen Bereich gibt es neben USB-Anschlüssen auch zwei Wireless-Charging-Schalen. Obwohl es sich um ein sportliches Fahrzeug handelt, bietet der Seal ein ausgesprochen gutes Platzangebot. Die Kopf- und Beinfreiheit ist auf jedem Platz mehr als ausreichend, sodass auch grosse Menschen kein Platzproblem haben werden.

BYD verbaut im Seal eine eher dezente Ambientebeleuchtung, die je nach Stimmung verschiedene Farben anzeigen kann. Oberhalb der Mittelkonsole gibts ein grosses Touchscreen-Display, das sich wie bei vielen BYDs auf Knopfdruck drehen lässt. So kann man selbst entscheiden, ob man das Display lieber horizontal oder vertikal nutzen möchte. Allerdings funktioniert die vertikale Ansicht nicht mit Android Auto oder Apple CarPlay.

Die Rundumsicht ist wie schon im Sealion 7 etwas eingeschränkt. Verantwortlich dafür ist die kleine Heckscheibe. Dafür gibts qualitativ sehr gute Kameras, darunter auch eine serienmässige 360-Grad-Kamera. Sie sorgen dafür, dass trotz der eingeschränkten Sicht, man sich jederzeit sicher und präzise orientieren kann, selbst in engen oder unübersichtlichen Situationen.

Das Kofferraumvolumen mit Unterboden fällt mit etwas über 400 Liter jetzt nicht wahnsinnig gross aus. Für eine grössere Familie könnte es besonders auf Fahrten in die Ferien schnell knapp werden. Umso besser, gibts unter der Motorhaube zusätzlich einen Frunk mit 53 Liter Volumen. Darin lässt sich etwa das Ladekabel perfekt verstauen.

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Bedienung und Infotainment

Der BYD Seal wird hauptsächlich über das zentrale Touchscreen-Display bedient. Physische Tasten sind kaum vorhanden. Entweder man gewöhnt sich daran, oder man entscheidet sich für ein anderes Fahrzeug. Ich persönlich bevorzuge eine Mischung aus beiden Welten, wie sie BYD im Sealion 7 umgesetzt hat. Erfreulich ist, dass BYD auf berührungsempfindliche Tasten am Lenkrad verzichtet. Es gibt somit herkömmliche physische Tasten und Drehwalzen.

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Das Infotainmentsystem funktioniert einwandfrei und reagiert flüssig auf Eingaben. Wer zum ersten Mal hinter dem Steuer des Seal Platz nimmt, benötigt jedoch eine gewisse Eingewöhnungszeit. Das Navi arbeitet gut und bietet auch eine zuverlässige Ladeplanung für die Langstrecke. Allerdings habe ich keine Option gefunden, um bevorzugte Ladeanbieter auszuwählen. Auf Wunsch kann eine andere Navigations-App mit Ladeplanung genutzt werden, da eine kabellose Integration von Android Auto und Apple CarPlay möglich ist.

Der BYD Seal verfügt neben dem grossen Touchscreen ein ausreichend grosses Kombiinstrument für den Fahrer sowie ein Head-up-Display. Das HUD zeigt die Fahrgeschwindigkeit, Tempolimits, Tempomat-Geschwindigkeit und aktive Assistenzsysteme (u. a. Spurhalteassistent) an. Vermisst habe ich jedoch Richtungsanzeigen bei aktiver Navigation. Der Gangwahlhebel an der Mittelkonsole sieht nicht nur edel aus, sondern lässt auch den gewünschten Gang (R, N, D, P) schnell einlegen.

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Fahrleistung

Der Allradantrieb des BYD Seal Excellence leistet beeindruckende 390 kW (530 PS) bei einem Drehmoment von 670 Nm. Damit gelingt der Sprint von 0 auf 100 km/h in sportlichen 3,8 Sekunden. BYD ist so stolz darauf, dass diese Zeit sogar am Heck des Fahrzeugs prominent hervorgehoben wird. Wer eine sportliche Fahrweise bevorzugt, wird mit dem Seal viel Freude haben. Die Kraft, die der Chinese auf die vier Räder bringt, ist schlichtweg beeindruckend.

Obwohl es sich leistungstechnisch um ein sehr sportliches Fahrzeug handelt, hat BYD auf ein zu straffes Fahrwerk verzichtet. Meiner Meinung nach hat BYD hier eine gute Balance gefunden. Die Lenkung ist nicht die direkteste, aber auch keineswegs schwammig. Überzeugend ist die Isolierung: Selbst auf der Autobahn sind Windgeräusche im Innenraum kaum wahrnehmbar.

Negativ aufgefallen ist mir, dass das Fahrzeug nicht immer direkt auf Pedalbewegungen reagiert. Wenn man vom Fahrpedal geht, beschleunigt der Seal dennoch für eine (sehr) kurze Zeit weiter. Das ist zunächst gewöhnungsbedürftig und irritierend, gewöhnt man sich aber mit der Zeit daran. Bei der Rekuperation zeigt sich BYD eher mittelmässig. Es gibt nur zwei Optionen: „normal” und „stark”, wobei „stark” nicht wirklich so stark ist. Ausserdem gibt es kein echtes One-Pedal-Driving.

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Reichweite und Laden

Trotz der kalten, winterlichen Bedingungen zeigte der BYD Seal Excellence AWD eine gute Effizienz. Trotz vieler Autobahnkilometer lag der Verbrauch in der Regel bei etwa 21 kWh auf 100 Kilometern, meist sogar etwas darunter. Im gemischten Profil, also auf Landstrassen, in der Stand und auf der Autobahn, zeigte mir der Bordcomputer meistens ein Verbrauch um die 18 bis 19 kWh auf 100 Kilometern an. Das geht für ein über 2,1 Tonnen schweres Fahrzeug absolut in Ordnung. Übrigens ist eine 82,5-kWh-Batterie (brutto) verbaut, die für eine WLTP-Reichweite von bis zu 520 Kilometern sorgt.

Der BYD Seal wurde bereits 2022 in China auf den Markt gebracht. Spätestens bei der Ladeleistung merkt man dem Seal sein etwas fortgeschrittenes Alter an. Anstatt Ladeleistungen von über 200 kW ist an der Schnellladestation bereits bei 150 kW das Maximum erreicht. Und trotz serienmässiger Wärmepumpe inklusive Vorkonditionierung der Batterie wird dieser Wert nur selten auch wirklich erreicht. Im Durchschnitt lag die Ladeleistung deshalb bei etwas über 100 kW. Für den Ladevorgang von 10 auf 80 Prozent benötigt der Seal etwa 40 Minuten. Das ist im Jahr 2026 einfach zu lang.

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Das Testfazit zum BYD Seal

Der BYD Seal Excellence AWD hinterlässt im Test insgesamt einen überzeugenden Eindruck, auch wenn ihm sein Alter in gewissen Bereichen anzumerken ist. Optisch trifft die sportliche Limousine ganz meinen Geschmack und kann sich problemlos gegen etablierte Konkurrenzmodelle wie das Tesla Model 3 oder den Polestar 2 durchsetzen. Hervorzuheben ist das gelungene Gesamtpaket aus Design und hochwertigem Innenraum.

Im täglichen Einsatz überzeugt der Seal durch seinen angenehmen Fahrkomfort, die gute Geräuschdämmung und seine insgesamt gute Effizienz. Die Reichweite ist alltagstauglich. Gleichzeitig gibt es aber auch Schwächen: Die Bedienung über den Touchscreen erfordert eine Eingewöhnungszeit, die Rekuperation könnte stärker ausfallen und kleinere Eigenheiten im Fahrverhalten, wie die leicht verzögerte Reaktion beim Lupfen des Fahrpedals, trüben das ansonsten guten Gesamtbild leicht.

Am deutlichsten zeigt sich der Generationsunterschied beim Thema Laden. Im Vergleich zu neueren Modellen wie dem BYD Sealion 7 verfügt der Seal nicht über die moderne 800-Volt-Technologie, was sich in längeren Ladezeiten widerspiegelt. Das ist im Jahr 2026 ein klarer Nachteil gegenüber vielen Mitbewerbern. Dennoch bleibt der BYD Seal ein starkes Gesamtpaket für alle, die eine sportliche, komfortable und gut ausgestattete Elektro-Limousine suchen und mit kleinen Abstrichen bei Ladeleistung und Technik leben können.