So sehen die codierten Filme von «Video StoreAge» aus.
So sehen die codierten Filme von «Video StoreAge» aus. (Bild: Myles Pettengill)
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Schluss mit Streaming? Filme kommen auf USB

Chris Bucher
Chris Bucher

Streaming nervt, DVDs verstauben, digitale Käufe sind oft weniger «Besitz» als gedacht. Ein neues Projekt will genau hier ansetzen. Video StoreAge verkauft Indie-Filme auf USB-Sticks – und verspricht mehr Kontrolle für Zuschauer:innen und Filmschaffende.

Wer heute Filme zuhause schauen will, hat ein kleines Luxusproblem. Auswahl gibt es im Überfluss, aber echte Kontrolle eher weniger. Streams verschwinden, «gekaufte» Titel können plötzlich nicht mehr verfügbar sein, und physische Sammlereditionen sind zwar schön, aber teuer und platzintensiv. Genau in diese Lücke will Video StoreAge stossen.

Filme als USB-Stick

Die Idee ist simpel: Indie-Filme werden auf USB-Sticks verkauft, quasi «DVDs of the Present», wie Gründer Ash Cook es gegenüber «The Guardian» nennt. Statt einer Disc gibt es Dateien auf einem Stick, die sich direkt am Computer abspielen lassen. Das wirkt auf den ersten Blick unspektakulär, ist aber ein gezielter Gegenentwurf zu Streaming-Plattformen, bei denen Inhalte jederzeit verschwinden können. Selbst solche, die man gekauft hat.

Bei Video StoreAge besitzt man eine physische Kopie und ist nicht von der Gnade eines Katalogs abhängig. Ganz ohne Haken ist das Modell allerdings nicht, denn wer seine Sammlung langfristig sichern will, muss sich selbst um Backups kümmern, was nicht für alle gleich komfortabel ist.

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Zum Start setzt Video StoreAge auf kuratierte Pakete mit mehreren Filmen und Kurzformaten. Alternativ lassen sich auch einzelne Filme oder eigene Kombinationen bestellen, was ein wenig an ein Indie-Mixtape erinnert. Der Ansatz zielt bewusst auf ein Publikum, das genug hat vom endlosen Scrollen und stattdessen wieder gezielter auswählen will.

Einnahmen werden gerecht aufgeteilt

Ein zentraler Punkt ist dabei auch der Geldfluss. Laut Konzept werden die Einnahmen zwischen Plattform und Filmschaffenden halbiert, während sich Video StoreAge nur die Rechte für diese spezielle Vertriebsform sichert. Für Filmemacher:innen bedeutet das mehr Flexibilität und die Möglichkeit, ihre Werke weiterhin anderweitig zu verwerten.

Die Initiative kommt nicht von ungefähr. Ash Cook war zuvor als Programmierer beim Sundance Festival tätig und hat dort miterlebt, wie sich der Markt verändert hat. Während Festivalerfolge früher oft grosse Deals nach sich zogen, ist der Weg zur Distribution heute deutlich unsicherer geworden. Viele Filme finden zwar Aufmerksamkeit, aber keinen nachhaltigen Vertrieb.

Gleichzeitig wächst auf Seiten des Publikums eine gewisse Streaming-Müdigkeit. Die riesige Auswahl fühlt sich zunehmend überfordernd an, was oft zum «Paradox of Choice» führt, einem Phänomen, das wir wohl alle kennen. Du scrollst dich für eine gefühlte Ewigkeit durch die Auswahl von Netflix, Sky, Prime und Co. und guckst dir dann doch nichts an, weil dir die Lust vor lauter Angeboten vergangen ist.