Ist es ein eReader? Ist es ein eNote? Das InkPad Eo von Pocketbook ist beides!
Ist es ein eReader? Ist es ein eNote? Das InkPad Eo von Pocketbook ist beides! (Bild: vybe)
Hardware-Test PocketBook eReader

Pocketbook InkPad Eo im Test: Vielfältig aber mit Schwächen

Chris Bucher
Chris Bucher

Inhaltsverzeichnis

Als Journalist und freischaffender Autor schreibe ich täglich: beruflich mit Laptop und Tastatur, privat am liebsten mit dem Füller. Dass ich früher oder später über InkPads und eNotes stolpere, liegt auf der Hand. Man soll ja mit der Zeit gehen.

Seit Längerem liebäugle ich mit solchen Geräten, um das Beste aus beiden Welten zu vereinen. Denn Hand aufs Herz: Einen 300-seitigen handgeschriebenen Roman abzutippen, ist eine mühsame Angelegenheit. Ich spreche aus Erfahrung.
Die Vorstellung, Geschichten von Hand zu schreiben und sie direkt digitalisiert vorliegen zu haben, ist entsprechend verlockend.

Das InkPad Eo will genau diese Schnittstelle zwischen Tablet und eReader sein. Doch gelingt der Spagat? Pocketbook hat mir ein Testgerät zur Verfügung gestellt, um genau das zu prüfen.

Das InkPad kommt in einer hübschen Schachtel mit Anleitungen, USB-C-Ladekabel und einem Stift.
Das InkPad kommt in einer hübschen Schachtel mit Anleitungen, USB-C-Ladekabel und einem Stift. (Bild: vybe)

Bescheiden als digitales Notizbuch

Zunächst die gute Nachricht: Das Schreiben auf dem 10,3-Zoll-ePaper-Display macht Spass. Das Gefühl kommt nicht ganz an Papier heran, ist aber angenehm und präzise. Der beiliegende Stift aus leichtem Kunststoff liegt gut in der Hand. Am oberen Ende befindet sich ein «Knopf», der automatisch als Radierfunktion erkannt wird. Alternativ lassen sich Fehler einfach durchstreichen – das Gerät löscht sie zuverlässig.

So weit, so gut.

Leider wird der positive Eindruck immer wieder durch Bugs getrübt. Während meines Tests kam es trotz aktueller Software zu mehreren Abstürzen. Zudem registrierte das Gerät beim Schreiben nicht alle Stifteingaben. Buchstaben fehlten – selbst bei langsamer, sauberer Handschrift. Teilweise wurden Wörter ohne Zutun markiert und beim Weiterschreiben überschrieben, in anderen Fällen wurden sie schlicht gelöscht. Das ist besonders ärgerlich, weil es das Vertrauen ins Gerät untergräbt.

Die Notizfunktion auf dem InkPad Eo ist trotz gutem Schreibgefühl nicht sehr zuverlässig.
Die Notizfunktion auf dem InkPad Eo ist trotz gutem Schreibgefühl nicht sehr zuverlässig. (Bild: vybe)

Hinzu kommt eine konzeptionelle Schwäche: Notizen lassen sich per Knopfdruck lediglich als PDF oder PNG exportieren. Ein editierbares Textformat fehlt. Für Autorinnen und Autoren, die Texte weiterbearbeiten möchten, ist das ein gravierender Nachteil.

Wo die Notiz-Funktion Sinn macht

Es gibt zwar eine Handschrift-zu-Text-Funktion, jedoch keine automatische Umwandlung. Wer sein Gekritzel in Druckschrift sehen möchte, muss es manuell markieren und konvertieren. Positiv: Die Texterkennung funktioniert erstaunlich gut. Selbst meine eher «eigenwillige» Handschrift wurde in den meisten Fällen korrekt erkannt.

Im Büroalltag hingegen spielt das InkPad seine Stärken aus. Notizen lassen sich sauber in Ordnern strukturieren, Brainstormings archivieren, PDFs direkt kommentieren. Statt Papierstapeln oder verschachtelter Ordnerstrukturen bleibt alles an einem Ort gebündelt.

Als eReader in seinem Element

Als eReader überzeugt das InkPad Eo deutlich mehr. Das 10,3-Zoll-Farbdisplay eignet sich hervorragend für Comics, Magazine, Zeitungen und grossformatige Sachbücher. Wo kleinere Geräte an ihre Grenzen stossen, wirkt das Lesen hier angenehm natürlich. Einzig das Ghosting – das leichte Durchscheinen der vorherigen Seite – fällt insbesondere bei Comics auf.

Das InkPad Eo ist wunderbar zum Lesen von Comics. (Bild: vybe)

Ein weiterer – meiner Meinung nach sehr wichtiger – Vorteil ist das offene Betriebssystem (Android), mit dem das InkPad Eo funktioniert. Dieses erlaubt den Download von zahlreichen Apps aus dem Google Play Store, darunter auch die Tolino- und Kindle-App. Endlich kann ich meine gesamte digitale Bibliothek auf einem Gerät haben. Das hat mir bei anderen eReader-Modellen noch gefehlt.

Allerdings hat die Displaygrösse ihren Preis: Mit 470 Gramm ist das InkPad kein Leichtgewicht. Wer abends im Bett liest, hält ein ordentlich dimensioniertes Gerät in der Hand.

Die Verarbeitung ist hochwertig, das Gehäuse wirkt robust und liegt angenehm in der Hand. Weniger gelungen ist das Fehlen einer integrierten Stifthalterung. Wer zur Kategorie «verlegt gern Dinge» gehört, dürfte hier früher oder später Ersatz beschaffen müssen. Dafür gibt es zusätzliche Hüllen mit einer Stifthalterung – die kosten aber extra. Eine Anschaffung lohnt sich aber sowieso. Die Hüllen schützen nämlich das ganze Gerät, wenn man es transportiert.

Die zusätzlich erhältliche Hülle schützt das Gerät – und bietet eine Stifthalterung.
Die zusätzlich erhältliche Hülle schützt das Gerät – und bietet eine Stifthalterung. (Bild: vybe)

Weitere Funktionen

Abseits von Notiz- und Lesefunktion bietet das InkPad Eo zahlreiche Zusatzfunktionen. Über die Stereo-Lautsprecher lassen sich Musik und Hörbücher abspielen. Die integrierte Kamera taugt zwar nicht für Urlaubsfotos, genügt aber zum Digitalisieren von Skizzen oder Whiteboard-Inhalten. Kalender und Browser sind ebenfalls an Bord.

Dank dem Android-Betriebssystem können zusätzliche Apps heruntergeladen werden. Sehr nützlich!
Dank dem Android-Betriebssystem können zusätzliche Apps heruntergeladen werden. Sehr nützlich! (Bild: vybe)

Wer zudem mehr Speicher als die integrierten 64GB braucht, kann den Platz mit einer zusätzlichen MicroSD erweitern. Mit 4 GB RAM ist das InkPad Eo nicht gerade ein Rennwagen, aber beispielsweise beim Lesen von Comics klappt das Umblättern angenehm schnell.

Geladen wird das Gerät über einen USB-C-Anschluss. Der Akku hält je nach Gebrauch mehrere Tage bis zu mehreren Wochen.

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Mein Fazit

Kommen wir zur eingangs gestellten Frage: Werde ich künftig meine Bücher von Hand auf dem InkPad schreiben? Nein. Dafür fehlen essenzielle Komfortfunktionen, und die Software wirkt zu fehleranfällig.

Als digitales Notizbuch im Büroalltag ist das Gerät hingegen durchaus praktisch. Ideen skizzieren, Sitzungsnotizen ordnen, PDFs kommentieren oder Whiteboards abfotografieren – das funktioniert zuverlässig – und macht auch Spass.

Als eReader überzeugt das InkPad Eo dank Android-Flexibilität und grossem Display deutlich stärker. Besonders bei grossformatiger Lektüre ist das Leseerlebnis spürbar angenehmer als auf kleineren Geräten.

Mit all den Funktionen ist der Eo das Schweizer Taschenmesser unter den eNote/eReadern. Allerdings eines, das je nach Anwendungsart viel Rost in der Mechanik hat. Und bei dem sich mit dem Preisschild von 440 bis 550 Franken (je nach Anbieter) stellt sich mir die Frage, ob ein kompaktes Tablet am Ende nicht das rundere Gesamtpaket bietet.