Der PocketBook Era Color: ein kleiner Alleskönner und Vielwoller.
Der PocketBook Era Color: ein kleiner Alleskönner und Vielwoller. (Bild: vybe)
Test eReader PocketBook

Pocketbook Era Color im Test: Für alle, die mehr wollen

Chris Bucher
Chris Bucher

Inhaltsverzeichnis

Ich geb’s offen zu: Wenn ich höre, dass eine Schweizer Firma einen eReader auf den Markt bringt, mit denen ich meinem liebsten Hobby frönen kann, ist der Vertrauensvorschuss schon ausbezahlt. Selbst dann, wenn das Gerät gemäss Verpackung in China produziert wird. Besagte Firma ist in diesem Fall PocketBook mit Sitz im schönen Kanton Tessin.

Die entscheidende Frage lautet aber: Kann der PocketBook Era Color diesen Heimvorteil auch wirklich einlösen – oder bleibt es bei solider Herkunft und guten Absichten?

PocketBook hat mir ein Testgerät des Era Color zur Verfügung gestellt.

Ein Allrounder

Der PocketBook Era Color ist ein eReader mit – der Name verrät es schon – einem 7 Zoll grossen Farbdisplay, das auf die eInk Kaleido 3 Technologie setzt. Das Gerät versteht sich als vielseitiger Allrounder für eBooks, Comics und PDFs und positioniert sich klar abseits geschlossener Ökosysteme, wie etwa Amazons Kindle. Das ist löblich, hat aber auch seine Schattenseiten. Dazu später mehr.

Im Lieferumfang enthalten ist der eReader, ein USB-C-Ladekabel und Anleitungen.
Im Lieferumfang enthalten ist der eReader, ein USB-C-Ladekabel und Anleitungen. (Bild: vybe)

Design & Handling

Besonders gut gefallen hat mir das Handling. Der Era Color liegt dank der geriffelten Rückseite und den abgerundeten Ecken sehr angenehm in der Hand und wirkt insgesamt hochwertig verarbeitet. Das Gerät kommt in einem graublauen Look das metallic schimmert. PocketBook nennt diese Farbe «Stormy Sea».

Auf der Rückseite lässt sich ein Teil der Abdeckung entfernen, um eine separat erhältliche Schutzhülle zu montieren. Das Abnehmen dieses Teils ist zwar eine Fummelei, aber da man das in der Regel nur ein einziges Mal macht, fällt das kaum ins Gewicht.

Auch bei den klassischen eReader-Funktionen liefert das Gerät genau das, was man erwartet: vielfältige Textanpassungen, unterschiedliche Schriftarten und eine variable Helligkeit sorgen für ein komfortables Leseerlebnis.

Über die vier Tasten kann ich umblättern, in die Einstellungen und ins Hauptmenü zurück.
Über die vier Tasten kann ich umblättern, in die Einstellungen und ins Hauptmenü zurück. (Bild: vybe)

Wer will, kann das Gerät sowohl im Hoch- als auch Querformat halten. Ein G-Sensor passt die Textausrichtung auf Wunsch automatisch an. Mittels vier Tasten kann ich vor- und zurückblättern (geht wahlweise auch über den Touchscreen), die Einstellungen öffnen und ins Menü zurück. Die Tasten sind gut platziert und lassen sich dank gewellter Form auch im Dunklen gut finden.

Reader, Kalender und Spielkonsole

Spannend wird es bei den zusätzlichen Funktionen. Der Era Color bringt unter anderem eine Vorlesefunktion in verschiedenen Sprachen mit. Die Stimmen klingen klar nach Text-to-Speech und entsprechend mechanisch, doch als barrierefreie Funktion ist das lobenswert. Praktisch ist zudem, dass der Reader eigene Lautsprecher hat und man nicht zwingend Kopfhörer benötigt, um die Vorlesefunktion oder das Abspielen von Hörbüchern zu nutzen.

Darüber hinaus kann der Era Color auch als digitaler Bilderrahmen, Musikplayer oder Kalender genutzt werden. Selbst ein Webbrowser und ein RSS-Nachrichtenfeed sind mit an Bord – ob man das alles braucht, sei dahingestellt, aber es schadet nicht, die Option zu haben. Sehr erfreulich ist auch die direkte Anbindung an die Onleihe, was den Era Color für Bibliotheksnutzerinnen und -nutzer besonders attraktiv macht.

Mehr als nur Bücher lesen: Auf dem Gerät sind auch verschiedene Apps. Ich finde nicht alle nötig, aber nice to have (Bild: vybe).
Mehr als nur Bücher lesen: Auf dem Gerät sind auch verschiedene Apps. Ich finde nicht alle nötig, aber nice to have (Bild: vybe).

Als kleine Dreingabe gibt es zudem Spiele wie Sudoku, Schach oder Solitaire, die sich gut für kurze Pausen eignen. Ein echtes Highlight ist für mich die offene Architektur des Geräts: Dank Android lassen sich zusätzliche Apps installieren und weitere Einstellungen einbauen, was vor allem jene freuen dürfte, die gern etwas mehr aus ihrem Reader herausholen wollen als nur Bücher zu lesen. Das entsprechende Fachwissen natürlich vorausgesetzt.

Die Farben bleiben matt

Ein Knackpunkt ist hingegen die Farbdarstellung. Wie bei vielen eReadern mit Farbdisplay wirken die Farben matt und zurückhaltend. Farbpuristen dürfte das stören, Gelegenheitsleserinnen und -leser vermutlich weniger. Mir persönlich gefällt dieser matte Look sogar ganz gut, da er angenehm fürs Auge ist und gut zur eInk-Charakteristik passt.

Der Farbunterschied zwischen PocketBook Era Color und Handy ist signifikant.
Der Farbunterschied zwischen eReader und Handy ist signifikant. (Bild: vybe)

Ebenfalls nett war das bestehende Angebot von Büchern, die auf dem Gerät vorinstalliert sind. Allerdings habe ich die erste halbe Stunde mit dem Era Color damit verbracht, über 70 dieser vorinstallierten Bücher von der rund 28GB grossen Speicherkarte zu löschen.

Denn PocketBook hat an halb Europa gedacht und die Bücher in zahlreichen Sprachen auf dem Gerät gespeichert: Tschechisch, Ungarisch, Norwegisch, Polnisch, Portugiesisch, Slowakisch, Italienisch und Niederländisch und einige mehr. Leider bin ich diesen Sprachen nicht mächtig und habe entsprechend keine Verwendung dafür.

Anbindung an die Konkurrenz

Eher kritisch sehe ich den PocketBook Era Color für Leute, die bisher nur im Kindle-Ökosystem von Amazon unterwegs waren. Während sich gekaufte Tolino-eBooks bequem aus der Bibliothek herunterladen und an den PocketBook senden lassen, ist bei Amazon basteln angesagt. Das ist dank des offenen Android-Systems zwar möglich, aber nicht besonders bequem.

Grundsätzlich ist es aber nicht das Problem von PocketBook, dass Amazon nur sehr zögerlich dabei vorgeht, gekaufte eBooks auch für andere Systeme zugänglich zu machen. Ob sich das Problem erledigt, wenn Amazon Ende Januar das Herunterladen wieder erlaubt, wird sich zeigen.

Amazon erlaubt bald Download gekaufter eBooks
Amazon bringt für Kindle ein Feature zurück, das ihr geschlossenes System gegenüber anderen Anbietern öffnet.

Ebenfalls mühsam ist das Lesen von grossformatigen Büchern wie A4-Comics oder umfangreichen Sachbüchern. Aufgrund der Displaygrösse ist häufiges Zoomen nötig, und der Prozessor reagiert dabei spürbar gemächlich, was den Lesefluss stark bremst.

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Mein Fazit

Unterm Strich ist der PocketBook Era Color ein sehr guter eReader für alle, die mehr aus ihrem Gerät herausholen wollen. Die Offenheit des Systems, die vielen Zusatzfunktionen und die breite Formatunterstützung machen ihn zu einem vielseitigen Begleiter.

Gleichzeitig werden aber auch technisch wenig affine Naturen damit glücklich, weil er alles an Bord hat, was ähnliche Geräte anderer Anbieter ebenfalls bieten. Dazu gehören leider auch einige bekannte Schwächen von Farb-Readern, etwa die matte Farbdarstellung oder das umständliche Handling bei grossformatigen Büchern.

Wer damit leben kann, bekommt ein durchdachtes, gut verarbeitetes Gerät, das deutlich mehr kann als nur Seiten umblättern. Quasi ein Schweizer Taschenmesser in eReader-Form.

Spezifikationen

  • Bildschirm: 7''
  • Display-Typ: E Ink Kaleido™ 3
  • Auflösung (Graustufen) 1264 × 1680
  • Auflösung (RGB) 632 × 840
  • PPI (Graustufen) 300
  • PPI (RGB) 150
  • Frontlicht: SMARTlight
  • Prozessor: Quad Core (1.8 GHz),
  • RAM: 1 GB
  • Speicherplatz: 32 GB (Mit den Grundeinstellungen hatten wir 28GB zur Verfügung)
  • Batterie: 2500 mAh (Li-Ion Polymer). Reicht für ca. einen Monat bei normalem Gebrauch. Weniger, wenn z.B viel Hörbücher konsumiert werden.
  • Wi-Fi: Dualband 2.4/5GHz
  • Bluetooth: 5.4
  • USB Anschluss: USB Type-C
  • Betriebssystem: (OS) Linux 4.9.56
  • eBook-Formate: ACSM, AZW, AZW3, CBR, CBZ, CHM, DJVU, DOC, DOCX, EPUB(DRM), EPUB, FB2, FB2.ZIP, HTM, HTML, MOBI, PDF (DRM), PDF, PRC, RTF, TXT
  • Bildformate: JPEG, BMP, PNG, TIFF
  • Audioformate: MP3, MP3.zip, OGG, OGG.zip
  • Audiobook-Formate: M4A, M4B, OGG, OGG.ZIP, MP3, MP3.ZIP
  • Masse: 134,3 × 155 × 7,8 mm
  • Gewicht: 235 g
  • Wasserdicht: Ja (IPX8)

Preis: je nach Anbieter zwischen 192 Franken und 239 Franken (Stand: Januar 2026)