Es ist schon spannend: Egal, ob in meinem Freundeskreis oder in meinem beruflichen Umfeld – nur wenige wissen, dass Motorola noch Smartphones herstellt und sie in der Schweiz verkauft. Oft höre ich: „Ach, die gibt's noch? Ich dachte, die seien schon seit Jahren nicht mehr aktiv.“ Solche Situationen zeigen, wie wichtig gutes Marketing ist, um die Sichtbarkeit einer Marke zu erhöhen.
Schade eigentlich, dass die Smartphones von Motorola nur wenigen bekannt sind. Schliesslich hat das Unternehmen in den letzten Jahren bereits das eine oder andere spannende Smartphone auf den Markt gebracht. Zuletzt hat Motorola, das seit einiger Zeit zum Lenovo-Konzern gehört, das ultradünne Smartphone Edge 70 in der Schweiz lanciert.
Ultradünne Smartphones haben bekanntlich einen schweren Stand, hauptsächlich aufgrund der abgespeckten Hardware und der zum Start hin zu hohen unverbindlichen Preisempfehlung. Samsung und Apple können davon ein Lied singen. Sowohl das Galaxy S25 Edge als auch das iPhone Air verkaufen sich schlechter als erwartet.
Motorola verfolgt mit dem Edge 70 jedoch einen etwas anderen Ansatz als Apple und Samsung: Dank Silizium-Kohlenstoff verfügt es über einen recht grossen Akku. Wie gut es sich im Test schlägt, erfährst du auf den nächsten Zeilen.

Design und Verarbeitung
Wie bei den Smartphones von Motorola üblich, setzt das Unternehmen unter anderem bei den Farbvariante auf die Zusammenarbeit mit Pantone. Das Edge 70 gibt es in inzwischen vier Pantone-Farben: Lily Pad, Bronze Green, Cloud Dancer und in Gadget Grey. Wir haben von Motorola das Edge 70 in der etwas langweiligen Farbvariante Gadget Grey erhalten. Da gab es in den letzten Jahren zweifelsohne auch schon etwas spannendere Farben.
Dafür punktet das Edge 70 mit seiner strukturierten Rückseite. Dadurch ergibt sich ein sicherer Halt. Und obwohl das Edge 70 ein grosses 6,67-Zoll-Display integriert hat, bringt es lediglich 157 Gramm auf die Waage. Im Vergleich zum Oppo Find X9 Pro mit 224 Gramm ist das Edge 70 ein Fliegengewicht. Auch im Vergleich mit dem iPhone Air (165 Gramm) und dem Galaxy S25 Edge (163 Gramm) kann das Edge 70 problemlos mithalten.

Das Design-Highlight ist wenig überraschend das ultradünne Gehäuse. An seiner dünnsten Stelle misst das Edge 70 nur 5,99 Millimeter. Selbst die Kamerasensoren ragen dabei nicht übermässig stark heraus. Es ist beeindruckend, was in einem so dünnen Gehäuse mittlerweile alles Platz hat. Denn im Gegensatz zu Samsung und Apple gibt es beim Edge 70 dennoch einen ordentlichen Akku.
Die Dicke erhöht sich, wenn die mitgelieferte transparente Plastik-Hülle verwendet wird. Mir persönlich fehlt dann zwar etwas die Griffigkeit, da die Hülle über keine strukturierte Oberfläche verfügt. Erwähnenswert ist die Hülle aber trotzdem, schliesslich gibt es inzwischen bei fast keinem anderen Hersteller mehr eine kostenlose Hülle dazu.
Das Edge 70 verfügt über einen Rahmen aus Flugzeugaluminium. Dieser ist nicht nur besonders leicht, was sich positiv auf das Gesamtgewicht auswirkt, sondern auch besonders robust. Zudem ist das Smartphone nach IP68/IP69 sowie dem Militärstandard MIL-STD-810H zertifiziert und überlebt damit auch 30 Minuten in 1,5 Meter tiefem Süsswasser.

Display
Motorola verbaut im Edge 70 ein 6,67 Zoll grosses POLED-Display mit einer Auflösung von 2712 x 1220 Pixeln und einer Bildwiederholrate von bis zu 120 Hertz. Damit liefert das Smartphone eine scharfe und flüssige Darstellung der Inhalte auf dem Display. Die kurzzeitige Spitzenhelligkeit gibt Motorola mit bis zu 4500 Nits an. Normalerweise wird es bis zu 1800 Nits hell. Das reicht locker aus, um das Smartphone auch bei direkter Sonneneinstrahlung zu nutzen.
Kurzum: Das Display ist gut, auch wenn es subjektiv nicht an die Top-Displays eines Galaxy S25 Ultra oder Find X9 Pro heranreicht. Die Farbwiedergabe und die Kontraste sind gut, und die Schwarzwerte überzeugen wie erwartet.
Ausstattung
Dass das Edge 70 nicht das Flaggschiff-Smartphone von Motorola ist, wird spätestens beim Blick auf den Chipsatz deutlich. Motorola setzt auf den Snapdragon 7 Gen 4, der von ordentlichen 12 GB Arbeitsspeicher flankiert wird. Dieser Chipsatz wird normalerweise in preiswerten Mittelklasse-Smartphones verbaut. Der interne Speicherplatz beläuft sich auf 512 GB.
Die mangelnde Leistungsfähigkeit des Chipsatzes macht sich eigentlich überall bemerkbar. Vor allem, wer die Arbeitsgeschwindigkeit eines Flaggschiff-Smartphones gewohnt ist, wird die Unterschiede schnell bemerken. Apps öffnen sich spürbar langsamer und bei grafikintensiven Spielen muss man sich mit niedrigeren Grafikeinstellungen zufriedengeben.

In Benchmarks reiht sich das Edge 70 deutlich hinter den ultradünnen Smartphones von Samsung und Apple ein. Zwar ist die unverbindliche Preisempfehlung für das Edge 70 tiefer angesetzt als die des Galaxy S25 Edge und des iPhone Air, doch inzwischen sind die Smartphones von Samsung und Apple deutlich günstiger zu haben. Das Edge 70 kostet somit ungefähr gleich viel, wie das Galaxy S25 Edge, das einen deutlich stärkeren Chipsatz verfügt.
Das Edge 70 unterstützt Wi-Fi 6e und damit leider noch kein Wi-Fi 7. Das wiederum ist dem nicht mehr aktuellen Chipsatz verschuldet. Die Übertragungsgeschwindigkeiten zu einer Fritz!Box sind allerdings absolut in Ordnung. Schade, dass Motorola lediglich ein USB-C-Anschluss mit USB 2.0 verbaut, der auch kein Display-Port-Signal ausgeben kann. Immerhin ist NFC mit an Bord.

Kamera
Betrachtet man das Kameramodul auf der Rückseite, könnte man meinen, dass Motorola insgesamt vier Kamerasensoren verbaut hat. Dem ist jedoch nicht so. Motorola setzt auf eine Dualkamera, die aus einer Hauptkamera und einer Ultraweitwinkelkamera mit jeweils 50 Megapixeln besteht. Die Hauptkamera verfügt zudem über eine optische Bildstabilisierung (OIS). Bei den zwei anderen, vermeintlichen Sensoren handelt es sich um den LED-Blitz und ein Lichtsensor.
Eine Periskop-Telekamera sucht man vergebens, was angesichts der dünnen Bauweise nicht überrascht. Das ist letztlich ein Kompromiss, den man bei einem ultradünnen Smartphone wohl bis auf Weiteres eingehen muss. Doch können die beiden Kamerasensoren überzeugen? Sagen wir es mal so: Auf den ersten Blick ja, auf den zweiten Blick zeigen sich jedoch Schwächen.



Bild 1: Ultraweitwinkelkamera / Bild 2: Hauptkamera / Bild 3: Zoom | Galerie: vybe
Die Hauptkamera macht bei guten Lichtverhältnissen kontrastreiche Fotos. Meiner Meinung nach sind die Farben jedoch schon etwas zu übersättigt. Ausserdem werden weiter entfernte Motive schnell unscharf und mit deutlich weniger Details aufgenommen. Der Nachtmodus kann bei Nachtaufnahmen noch etwas retten. Doch mehr als das Prädikat „in Ordnung” kann dafür nicht vergeben werden.



Bild 1: Ultraweitwinkelkamera / Bild 2 und 3: Hauptkamera | Galerie: vybe
Die Ultraweitwinkelkamera eignet sich zwar gut für Panoramaaufnahmen, zeigt jedoch ähnliche Schwächen wie die Hauptkamera. Die Selfiekamera löst mit 50 Megapixeln auf und hinterlässt einen guten bis sehr guten Eindruck. Ich würde sogar behaupten, dass die Selfiekamera die beste aller im Edge 70 verbauten Kameras ist.
Software
Das Edge 70 wird ab Werk mit Android 16 und der hauseigenen Benutzeroberfläche „Hello UI” ausgeliefert. Wer die Optik der Google-Smartphones mag, wird sich auch schnell mit Motorolas Benutzeroberfläche zurechtfinden. Im Gegensatz zu One UI von Samsung orientiert sich Motorola stark an Stock-Android und nimmt nur kleinere Anpassungen vor. So ist etwa Moto AI fest integriert, das auch über eine gesondere Taste gestartet werden kann.

Mit Moto AI lassen sich etwa individuelle Bilder generieren oder bestehende Aufnahmen verbessern bzw. anpassen. Moto AI, versteht inzwischen auch Deutsch, das wurde erst kürzlich mit dem Launch des Edge 70 eingeführt. Neben Moto AI kann natürlich auch Gemini von Google verwendet werden, das über alle bekannten Funktionen auf das Edge 70 bringt.
Was die Update-Garantie betrifft, so verspricht Motorola groses Updates bis Android 20 sowie Android-Sicherheitspatches bis 2031. Damit ist Motorola ziemlich gut aufgestellt, kann aber nicht ganz mit Google oder Samsung mithalten, die ihre Smartphones nochmals etwas länger mit grossen Updates versorgen. Dennoch ist es erfreulich, dass Motorola nicht mehr nur zwei Jahre Updates anbietet.
Weniger erfreulich ist die vorinstallierte Bloatware auf dem Edge 70. Dabei handelt es sich nicht nur um zwei bis drei Apps, sondern um eine gefühlte Armada an Apps und Games. Zwar lassen sich alle Apps und Spiele problemlos deinstallieren, doch wer hat schon Lust auf so viel Bloatware?

Akku und Laden
Dank Silizium-Kohlenstoff-Akku kann Motorola im Edge 70 ein ordentlicher 4800 mAh Akku integrieren. Zum Vergleich: Im Galaxy S25 Edge gibts nur einen 3900 mAh Akku. Der Akku im Edge 70 reicht locker für einen Tag aus, sofern man nicht über mehrere Stunden damit zockt. Im PCMark-Benchmark erreichte das Edge 70 übrigens eine Laufzeit von etwas über 13 Stunden. Das ist in Ordnung - mehr aber nicht.
Laden lässt sich das Edge 70 mit einem passenden Ladegerät mit bis zu 68 Watt. Kabellos sind maximal 15 Watt möglich.

Das Testfazit zum Motorola Edge 70
Das Motorola Edge 70 überzeugt vor allem mit seinem extrem dünnen und leichten Design, der hochwertigen Verarbeitung und der ungewöhnlich robusten Ausstattung inklusive IP68/IP69- und MIL-STD-810H-Zertifizierung. Das helle POLED-Display, die Software mit langer Update-Garantie sowie der für die Bauform überraschend grosse Akku mit schnellem Laden runden den positiven Gesamteindruck ab.
Abstriche muss man hingegen bei der Leistung und der Kamera machen. Der Snapdragon 7 Gen 4 ist für den Alltag ausreichend, wirkt im Vergleich zur Konkurrenz jedoch träge. Auch die Dualkamera liefert bei guten Lichtverhältnissen ordentliche Ergebnisse, kann aber weder bei Details noch bei Nachtaufnahmen restlos überzeugen. Hinzu kommt die unnötig umfangreiche Bloatware, die den ansonsten guten Software-Eindruck schmälert.
Unterm Strich ist das Edge 70 ein spannendes Nischen-Smartphone für alle, die Design, Gewicht und Ausdauer höher priorisieren als maximale Performance oder Top-Kameras. Wer genau diese Stärken sucht, bekommt ein eigenständiges Gerät mit Charakter – alle anderen finden in dieser Preisklasse ausgewogenere Alternativen.
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