BYD (Build Your Dreams) ist im letzten Jahr mit drei Fahrzeugen offiziell in der Schweiz gestartet. Eines davon ist der BYD Sealion 7, ein sportliches und modernes Elektro-SUV, das in der Basisausführung „Comfort” bereits für 44990 Schweizer Franken erhältlich ist. Die Topausführung „Excellence” mit Allradantrieb und voller Hütte, was die Ausstattung betrifft, ist für 52490 Schweizer Franken erhältlich.
Das ist zweifelsohne viel Geld und BYD orientiert sich damit an den hiesigen Mitbewerber:innen. Doch der Preis kommt nicht von ungefähr: Der BYD Sealion 7 bringt eine umfangreiche Serienausstattung, moderne Batterietechnologie und viel Leistung mit. Hinzu kommt ein durch und durch hochwertiger Innenraum mit viel Komfort. Das relativiert den hohen Preis zumindest etwas.
Ich durfte zwei Wochen lang hautnah miterleben, wie gut sich der Elektro-SUV im Alltag schlägt. BYD hat mir den Sealion 7 dafür freundlicherweise bereitgestellt. Genügend Zeit also, um ein Fahrzeug auf Herz und Nieren zu prüfen.

Exterieur
Der BYD Sealion 7 hat mir auf den Pressebildern bereits sehr gut gefallen und sieht in natura genauso gut aus. Beim Elektro-SUV setzt BYD auf die sogenannte Ocean-Aesthetics-Designsprache. Das Design des „Seelöwen” soll dabei an die Bewegung von Wasser erinnern. Und das tut es auch – zumindest mit etwas Fantasie. Der Sealion 7 verfügt über dynamische und fliessende Linien, die dem leistungsstarken Elektroauto auch optisch eine gewisse Sportlichkeit verleihen.



Bild: vybe
Am Heck setzt BYD auf eine durchgehende LED-Lichtleiste und einem zurückhaltenden Ducktail-Spoiler, der die sportliche Leistung untermauert. Auffällig ist auch die markant gestaltete Frontpartie mit den scharf gezeichnete LED-Scheinwerfern. Aus der Seitenansicht betrachtet, erinnert der Sealion 7 mit seiner leicht abfallenden Dachlinie allerdings fast mehr an ein schnittiges Coupé. Die Türgriffe fahren automatisch ein und aus.



Bild: vybe
Kurzum: Die BYD Sealion 7 legt mit seinem Erscheinungsbild einen selbstbewussten Auftritt auf der Strasse hin.

Interieur
Beim Innenraum halten sich die Chinesen dezent zurück. Und das ist auch gut so. Es erwartet einen eine Mischung aus moderner Technik und wohnlichem Komfort. Das resultiert zumindest im Cockpit in einem insgesamt luftigen Raumgefühl. Dafür sorgen auch die vielen Ablageflächen im Fahrzeug. Die Materialwahl der Variante „Excellence” kann dabei vollends überzeugen. BYD setzt dabei vorwiegend auf Nappaleder, das sich weich und angenehm anfühlt, und sauber verarbeiteten Oberflächen.

Das grosse Touchscreen-Display, das als Schaltzentrale für das Fahrzeug fungiert, ist definitiv nicht zu übersehen. Obwohl es eher als Spielerei anzusehen ist, fand ich es dennoch ziemlich cool, dass sich das Touchscreen-Display auf Wunsch auf Knopfdruck drehen lässt. So kann man selbst entscheiden, ob man das Display lieber horizontal oder vertikal nutzen möchte.


Das Touchscreen-Display kann je nach Geschmack horizontal oder vertikal genutzt werden | Galerie: vybe
Der BYD Sealion 7 verfügt zwar über eine schöne Ambientebeleuchtung, die jedoch nicht übertrieben wirkt. Insgesamt setzt BYD im Innenraum auf eine eher zurückhaltende, einladende Optik. Das gefällt. Für hohen Komfort sorgen die bequemen Sitze, die sich selbst auf der Langstrecke bewähren. Auf den vorderen Plätzen kann man sich über eine Sitzheizung und -lüftung freuen. Auch für grössere Menschen ist die Kopf- und Beinfreiheit absolut gut.


Auch im Fond gibt es sehr bequeme Sitze | Galerie: vybe
Etwas knapper wird es auf den ebenfalls bequemen Sitzen der Rückbank. Gerade grössere Menschen dürften hier schnell an die Grenzen des Fahrzeugs stossen – wortwörtlich. Mit meinen knapp 1,90 Metern hatte ich in Bezug auf die Kopffreiheit jedenfalls nicht den gewünschten Komfort. Oder anders formuliert: Bei einer gröberen Bodenwelle würde ich zwangsläufig mit dem Dachhimmel Bekanntschaft machen. Da bringt mir auch die grosszügige Beinfreiheit nicht besondenders viel. Apropos Dachhimmel: Der Sealion 7 verfügt über ein schönes und grosses Panorama-Glasdach samt elektronisch verstellbaren Sonnenrollo, das sich bis zu den hinteren Plätzen erstreckt. Der Mittelplatz lässt sich zudem zu einer Armlehne mit Becherhalter umfunktionieren.

BYD gibt das Kofferraumvolumen mit bis zu 520 Litern an. Unterhalb der Abdeckung befindet sich ein zusätzliches Staufach. Bei umgeklappten Rücksitzen erweitert sich das Volumen auf bis zu 1789 Liter. Unter der Kühlerhaube vorne befindet sich ausserdem ein Frunk mit 58 Litern. Darin passt beispielsweise das Ladekabel perfekt hinein. Insgesamt geht die Grösse des Kofferraums in Ordnung, ohne dabei zu überraschen. Bei viel Gepäck, besonders grösseren Koffern, dürfte es jedoch etwas knapp werden.

Bei der Rundumsicht gehört der BYD Sealion 7 definitiv nicht zu den Vorzeigekandidaten. Das Heckfenster ist ziemlich klein und die C-Säule ist relativ breit. Dadurch wird der schräge Blick nach hinten besonders stark eingeschränkt. Dieser Umstand kann bis zu einem gewissen Grad durch die guten Assistenzsysteme inkl. zahlreicher Kameras kompensiert werden, jedoch nicht vollständig.

Bedienung und Infotainment
Positiv hervorzuheben ist, dass der BYD Sealion 7 in der Topausstattung bereits über alle Ausstattungsmerkmale verfügt. Es gibt keine zusätzlichen Optionen, die man gegen einen hohen Aufpreis dazukaufen muss. Das schätze ich an den chinesischen Herstellern (und auch Tesla) besonders: Sie setzen dem ein Ende. Es wäre wünschenswert, wenn auch die europäischen Hersteller auf diese Karte setzen würden.

Beim Xpeng G9 AWD Performance muss alles über das zentrale Touchscreen bedient werden, BYD hingegen setzt auf einen Kompromiss aus Touchscreen-Bedienung und physischen Tasten. Zwar wird auch beim Sealion 7 vieles über das Touchscreen gesteuert, etwa die Lüftungsanlage, doch es gibt unter anderem noch Tasten zum Einstellen der Aussenspiegel. Und auch am Lenkrad befinden sich herkömmliche physische Tasten (keine touchsensitiven Tasten!) und Drehwalzen.

Auch Android Auto und Apple CarPlay lassen sich kabellos nutzen | Bild: vybe
Das Infotainment reagiert insgesamt schnell auf Eingaben und bietet alle Funktionen, die man sich wünscht. Eine gewisse Eingewöhnungszeit muss indes auch dafür eingeplant werden. Das integrierte Navi funktioniert zuverlässig und schlägt auf Wunsch auch eine Ladeplanung mit entsprechenden Ladestopps vor. Wer möchte kann Android Auto und Apple CarPlay kabellos verwenden. Das hat im Alltag gut funktioniert. Sie funktionieren allerdings nur bei horizontal eingestelltem Display.
Positiv überrascht war ich vom integrierten Sprachassistenten, der sich mittels dem Sprachbefehl "Hey, BYD!" aktivieren lässt. Er kann zahlreiche Einstellungen übernehmen, ohne dass man sich in den Menüs im Infotainmentsystem durchschlagen muss. Auch cool: Man kann den Radius der Kofferraumöffnung direkt über das Infotainment hinterlegen. Das wünschte ich mir bei weiteren Herstellern.

Das Head-Up-Display zeigt die wichtigsten Daten an | Bild: vybe
Bei der Variante „Excellence“ ist auch ein Head-up-Display serienmässig mit dabei. Es zeigt die wichtigsten Informationen, darunter auch Navigationshinweise, zuverlässig an. Es gibt in der Mittelkonsole zwei induktive Ladeschalen für Smartphones mit Kühlfunktion. Dadurch wird verhindert, dass das Smartphone während des Ladevorgangs zu warm wird. Gefallen hat mir ausserdem der Gangwahlhebel auf der Mittelkonsole. Damit lässt sich der gewünschte Gang (R, N, D, P) unkompliziert einlegen. Das Dynaudio-Soundsystem verfügt über zwölf Lautsprecher und bietet eine insgesamt tolle Qualität.

Fahrleistung
Mit knapp 2,5 Tonnen ist der Sealion 7 kein Leichtgewicht. Davon bekommt man hinter dem Steuer allerdings nicht besonders viel mit. Dank des starken und leisen Antriebs mit einer Systemleistung von 390 kW (530 PS) sowie einem Drehmoment von 690 Nm gelingt der Sprint von 0 auf 100 km/h in sportlichen 4,5 Sekunden. Darauf ist man bei BYD offensichtlich besonders stolz, denn diese Zeit ist auch am Heck bei der Modellbezeichnung vermerkt. Die Spitzengeschwindigkeit ist bei 215 km/h elektrisch abgeriegelt.

Das Fahrwerk ist eindeutig komfortorientiert ausgelegt. Meiner Meinung nach ist es jedoch etwas zu weich und gibt nicht immer die gewünschte Rückmeldung. Das passt nicht so ganz zum sportlichen Erscheinungsbild und der hohen Systemleistung. Auf der Autobahn oder auf nicht allzu kurvenreichen Strecken fällt das allerdings nicht ins Gewicht. Wer jedoch mit dem BYD Sealion 7 eine Passstrecke flott bewältigen möchte, wird sich an meine Worte erinnern.

Der Aufmerksamkeitsassistent des Sealion 7 reagiert für meinen Geschmack etwas zu sensibel. Ja, durch eine Kamera auf der Fahrerseite wird die Person hinter dem Lenkrad regelrecht „gestalkt”! Der Assistent macht sich bereits bemerkbar, wenn ich bei einem Spurwechsel etwas länger in den Aussenspiegel gucke. Und ja, er mag es auch nicht, wenn ich morgens auf dem Weg zur Arbeit 2–3-mal gähne. Dann schlägt er mir gleich eine Pause vor. Ich weiss, dass es zur Sicherheit dienen soll, aber das ist zu viel des Guten. Deshalb habe ich den Assistenten einfach deaktiviert.

Schade ist, dass jeder deaktivierte Assistent bei der nächsten Fahrt gleich wieder aktiviert ist. Das ist nicht von BYD so gewollt, sondern liegt an den hiesigen EU-Richtlinien. Dazu zählt beispielsweise auch die Geschwindigkeitserkennung, die mehr oder weniger akkurat arbeitet, aber dennoch nervt. Schon 2–3 km/h zu schnell und man bekommt ein Piepkonzert im Innenraum. Das Positive: Über das Touchscreen-Display kann die Erkennung ziemlich schnell deaktiviert werden. Der adaptive Tempomat arbeitet „geschmeidig”, reagiert beim Beschleunigen nach dem Freigeben der Strecke jedoch etwas träge. Ansonsten arbeiten die Assistenzsysteme zuverlässig.

Reichweite und Laden
Obwohl der Sealion 7 von BYD über eine grosse 91,3-kWh-Batterie (brutto) verfügt, gehört er definitiv nicht zu den effizientesten Elektroautos seiner Klasse. Der Hersteller gibt für die leistungsstarke Excellence-Variante eine WLTP- Reichweite von bis zu 502 Kilometern an. Diese habe ich jedoch selbst im Eco-Modus nie erreicht. Bei frühlingshaften Temperaturen und hauptsächlich Autobahnkilometern erreichte ich tagsüber einen Verbrauch von etwa 25 kWh. Damit liegt die Reichweite knapp unter 400 Kilometern. Das ist durchschnittlich für ein Fahrzeug seiner Klasse.
Dank der 800-Volt-Architektur darf man sich an der Schnellladestation auf eine Ladeleistung von bis zu 230 kW freuen. Um gleich zu Beginn mit einer hohen Ladegeschwindigkeit zu beginnen, sollte die manuelle Vorkonditionierung der Batterie frühzeitig aktiviert werden. Denn selbst mit der serienmässigen Wärmepumpe benötigt das Fahrzeug einige Zeit, bis die Batterie ihre Komforttemperatur erreicht hat.

Danach zeigte sich der BYD Sealion 7 an den Schnellladestationen etwas wählerisch. Während der Ladestand bei den Ladestationen von IONITY ziemlich schnell von 15 auf knapp 200 kW erhöht wurde, wollte der „Seelöwe” an einer Ladestation von M-Charge partout nicht mit mehr als 140 kW laden. Wohlgemerkt: An den äusserlichen Bedingungen hat sich zwischen den zwei Ladevorgängen, die an unterschiedlichen Tagen stattgefunden haben, nicht wirklich viel verändert. Die Ausgangslage war somit mehr oder weniger dieselbe.
An einer AC-Ladestation (Wallbox) lädt der Sealion 7 mit maximal 11 kW auf. BYD bietet keine Option auf 22 kW an.

Das Testfazit zum BYD Sealion 7
Der Sealion 7 überzeugt mit einem eigenständigen Design, einem hochwertigen und komfortablen Innenraum sowie einer umfangreichen Serienausstattung, insbesondere in der Variante „Excellence“. Im Gegensatz zu vielen europäischen Herstellern sind bei BYD viele Ausstattungsmerkmale serienmässig integriert und nicht hinter einer Flut an teuren Optionen versteckt. Dadurch erhält man ein rundes Gesamtpaket, das in dieser Preisklasse durchaus konkurrenzfähig ist.
Der Sealion 7 bleibt bei mir jedoch nicht ganz ohne Schwächen in Erinnerung. Die Effizienz könnte besser sein, denn trotz der grossen Batterie liegt die reale Reichweite im Alltag nur im durchschnittlichen Bereich seiner Klasse. Und während man in China bereits über Megawatt-Laden spricht, lädt sich der Sealion 7 mit bis zu 230 kW zwar schnell, aber halt auch nicht so beeindruckend schnell wie etwa ein Xpeng G9. Das etwas zu weich abgestimmte Fahrwerk passt dann auch nicht ganz zum sportlichen Anspruch des Sealion 7, der immerhin 390 kW (530 PS) auf die vier Räder bringt.
Hinzu kommen kleinere Kritikpunkte wie die eingeschränkte Rundumsicht nach hinten sowie die Assistenzsysteme, insbesondere die Aufmerksamkeitserkennung, die für meinen Geschmack im Alltag etwas zu empfindlich reagiert. Das sind zwar keine gravierenden Mängel, aber Details, die zeigen, dass BYD in manchen Bereichen noch etwas Optimierungspotenzial hat.
Insgesamt hinterlässt der Sealion 7 einen positiven Eindruck. Er bietet eine gute Mischung aus Komfort, Leistung, hochwertiger Anmutung und reichlich Ausstattung. Wer ein leistungsstarkes Elektro-SUV mit gutem Platzangebot sucht, ist bereits ab knapp 45.000 Schweizer Franken dabei. Mit dem Sealion 7 zeigt BYD jedenfalls, dass das Unternehmen nicht nur preislich, sondern auch qualitativ mit etablierten Herstellern mithalten kann.