Amazon entwickelt laut einem Reuters-Bericht ein neues Smartphone. Das Projekt trägt intern den Codenamen «Transformer» und soll einiges anders machen, als bisherige Smartphones. Offiziell bestätigt ist das nicht, Amazon wollte den Bericht nicht kommentieren.
Im Zentrum steht demnach ein Gerät, das Nutzerinnen und Nutzer stärker mit Alexa und dem Amazon-Ökosystem verbindet. Das Smartphone soll als personalisierter Begleiter für Shopping, Prime Video, Prime Music und weitere Dienste gedacht sein. Auch Essensbestellungen über Partner wie Grubhub sollen damit einfacher werden.
Fokus liegt auf KI und Alexa
Ein wichtiger Schwerpunkt des Projekts ist laut Reuters die Integration von künstlicher Intelligenz. Das neue Amazon-Smartphone soll so konzipiert sein, dass klassische App-Stores womöglich weniger wichtig werden. Alexa dürfte eine zentrale Rolle spielen, auch wenn der Sprachassistent nicht zwingend das eigentliche Betriebssystem bildet.
Damit würde Amazon auf einen Markt zielen, in dem viele Unternehmen derzeit neue KI-Hardware erproben. Bisher hat dieser markt allerdings eher etliche Gadget-Leichen hervorgebracht, als Erfolg gehabt. Wir erinnern uns an KI-Gagdets wie den Human AI-Pin oder den Rabbit r1. Für Amazon wäre das Smartphone damit nicht nur ein neues Gerät, sondern auch ein weiterer Versuch, die Nutzung von KI im Alltag der Kundschaft zu steigern.
Warum das Projekt für Amazon wichtig ist
Das Vorhaben passt zu Amazons langfristiger Idee eines allgegenwärtigen, sprachgesteuerten Assistenten. Reuters zufolge verfolgt der Konzern schon seit Jahren die Vision, Alexa zu einer zentralen Schnittstelle im Alltag zu machen. Ein eigenes Smartphone könnte dafür besonders wichtig sein. Es würde Amazon über den ganzen Tag hinweg direkten Zugang zur Nutzung und zu Vorlieben der Kundschaft geben.
Unklar bleibt allerdings, wie weit das Projekt tatsächlich ist. Reuters konnte weder einen Preis noch konkrete Umsatzziele oder den finanziellen Umfang des Programms bestätigen. Auch ein möglicher Marktstart ist derzeit offen. Laut den Quellen könnte das Projekt bei einem Strategiewechsel oder aus finanziellen Gründen auch noch eingestellt werden.
Erinnerung an das Fire Phone
Das mögliche Comeback ist auch deshalb bemerkenswert, weil Amazons erster Smartphone-Versuch als grosser Misserfolg gilt. Das 2014 gestartete Fire Phone wurde nach kurzer Zeit wieder eingestellt. Das Gerät litt unter anderem unter einem schwachen App-Angebot, einem proprietären Fire OS und einem aufwendigen 3D-System, das viel Akku verbrauchte und zu Überhitzung führen konnte.
Amazon senkte den Preis des Fire Phone damals massiv und beendete das Projekt nach nur 14 Monaten. Für nicht verkaufte Geräte musste der Konzern laut Reuters eine Belastung von 170 Millionen Dollar verbuchen. Das macht den neuen Anlauf zu einem der spannendsten Hardware-Projekte des Unternehmens seit Jahren.
ZeroOne soll für neue Geräte sorgen
Laut Reuters wird das Projekt von einer noch jungen Amazon-Gruppe namens ZeroOne geleitet. Diese Einheit soll «Breakthrough»-Produkte entwickeln, also Geräte mit besonderem Innovationsanspruch. Geleitet wird sie demnach von J. Allard, einem früheren Microsoft-Manager, der unter anderem am MP3-Player Zune und der Xbox beteiligt war.
Reuters berichtet ausserdem, dass Amazon nicht nur ein klassisches Smartphone geprüft habe, sondern auch ein reduziertes Modell mit weniger Funktionen. Als Inspiration wird das Light Phone genannt, das bewusst auf viele typische Smartphone-Funktionen verzichtet. Ein solches Gerät könnte Amazon auch als Zweithandy positionieren, etwa für Nutzerinnen und Nutzer, die Ablenkung oder Social Media einschränken wollen.
Schwieriger Markt
Ob Amazon den Sprung zurück in den Smartphone-Markt tatsächlich wagt, ist derzeit offen. Reuters zufolge hat das Unternehmen bisher noch keine Mobilfunkpartner für das Gerät gesucht. Gleichzeitig wäre der Wettbewerb hart, weil Apple und Samsung zusammen rund 40 Prozent des weltweiten Smartphone-Absatzes kontrollieren.
Hinzu kommt ein schwieriges Marktumfeld. Reuters verweist auf eine Prognose von IDC, wonach die Smartphone-Auslieferungen 2026 so stark sinken könnten wie nie zuvor. Dazu kommen steigende Kosten, etwa durch höhere Preise für Speicherchips. Für Amazon wäre ein neues Smartphone also eine riskante Wette mit ungewissem Ausgang.