Zu teuer, zu kompliziert: Schnellladeunternehmen gehen auf Politik zu
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Zu teuer, zu kompliziert: Schnellladeunternehmen gehen auf Politik zu

Bruno Rivas
Bruno Rivas

Die Schnellladeunternehmen Fastned, Electra, Ionity und Avia Volt haben sich zu einer geschlossenen Front formiert und sich mit einem gemeinsamen Schreiben an Bundesrat Albert Rösti, Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK), gewandt. Ihr Ziel sind strukturelle Reformen, die den Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur, insbesondere in Städten, beschleunigen sollen.

Wer ein Elektroauto fährt, sollte ein einfaches Ladeerlebnis erwarten dürfen, so die Branchenvertreter: eine funktionierende Station, kurze Ladezeiten, einen einfachen Bezahlvorgang und einen fairen Preis. Aus Sicht der Schnellladeunternehmen bleibt das Ladeerlebnis vielerorts hinter den Erwartungen zurück, obwohl die Elektromobilität in der Schweiz stetig wächst. Der Grund liegt dabei nicht an fehlendem Kapital privater Anbieter, sondern an strukturellen Marktbarrieren, die deren Marktzugang erschweren.

In mehreren Kantonen und Städten treten öffentliche Akteure gleichzeitig als Netzbetreiber, Regulator und Ladepunktbetreiber auf. Branchenkenner sind der Ansicht, dass diese Konstellation Interessenkonflikte begünstigt. Die Folgen sind eingeschränkter Wettbewerb, ein verzögerter Ausbau und teilweise hohe Preise von bis zu 1,20 CHF pro Kilowattstunde. Für Nutzer zeigt sich das ganz konkret: ein fragmentiertes Netz aus unterschiedlichen Apps, Zugangssystemen und Tarifen statt eines nahtlosen Ladeerlebnisses.

Europa zeigt, wie es besser geht

Ein Blick ins Ausland zeigt, dass es auch anders geht. In mehreren europäischen Märkten sorgen sogenannte Entflechtungsprinzipien dafür, dass der Netzbetrieb und die Ladeinfrastruktur klar voneinander getrennt sind. Das Ergebnis sind mehr Wettbewerb, eine bessere Nutzererfahrung und innovationsgetriebene Angebote. Die Schweiz habe hier hingegen Nachholbedarf, so die Unterzeichner.

Drei zentrale Forderungen der Allianz

Im Kern formuliert die Allianz drei konkrete Massnahmen:

Erstens die Entflechtung der Tätigkeiten: Die Rolle des Verteilnetzbetreibers ist klar von jener des Ladepunktbetreibers zu trennen. Verteilnetzbetreiber konzentrieren sich auf den Ausbau des Stromnetzes und veröffentlichen diskriminierungsfreie Netzanschlussprozesse, damit private Anbieter rechtzeitig investieren und Ladestationen errichten können. 

Zweitens die Förderung der Beteiligung von Kantonen und Gemeinden: Konsequente Ausschreibungen und die Vergabe von Ladeflächen sollen nach den Kriterien Qualität, Preis, Verfügbarkeit und Nutzererlebnis gestaltet werden. Öffentliches Land soll dabei gezielt auch für Schnellladeinfrastruktur zur Verfügung gestellt werden, um vielfältige Bedürfnisse der Nutzer abzudecken. 

Drittens die Förderung von Interoperabilität, universellen Zahlungsmethoden sowie Daten- und Preistransparenz: Offene Zahlungsoptionen sowie Echtzeitdaten zu Verfügbarkeit und Preisen sollen verbindlich vorgeschrieben werden, damit Laden einfach und transparent wird.

Ob und wie das UVEK auf die Forderungen reagiert, könnte richtungsweisend für die nächste Phase der Elektromobilität in der Schweiz sein.